Naturschutz mit Weitblick: Neue Beleuchtung bei der Moorbahn

Es ist kurz nach Sonnenuntergang, und das Tister Bauernmoor versinkt im Grau. Wo tagsüber Kraniche ihre majestätischen Runden ziehen, herrscht jetzt tiefste Dunkelheit. Auf dem Parkplatz am Eingang des Naturschutzgebiets tasten sich die letzten Besucher des Tages vorsichtig zurück zu ihren Autos. Der Schotter ist uneben. Ein Stolpern, ein Fallen – und der Ausflug endet im Notarztwagen.

Noch. Denn die Moorbahn Burgsittensen hat endlich die Mittel bekommen, diesen Zustand zu beenden.

Das vergessene Licht

Das Tister Bauernmoor, rund 50 Kilometer südlich von Hamburg gelegen, ist eine der stillen Schönheiten Niedersachsens. Eine Fahrt mit der Moorbahn Burgsittensen gehört zu den besonderen Erlebnissen der Region: Wer einsteigt, erfährt auf der Fahrt durch das Moor, wie hier früher Torf abgebaut wurde, wie die Renaturierung voranschreitet – und kann vom Aussichtsturm aus Kraniche beobachten, die in der Dämmerung einziehen.

Betrieben wird die Moorbahn Burgsittensen ehrenamtlich. Jedes Wochenende, jede Sonderfahrt, jede Reparatur – organisiert und ausgeführt von Vereinsmitgliedern.

„Wir sparen Strom – und tun was für die Umwelt“

Friedhelm Gahlau ist 1. Vorsitzender der Moorbahn Burgsittensen und einer jener Menschen, die man überall in Deutschland findet, wenn man genau genug hinschaut: der stille Motor hinter einem Verein, der ohne ihn nicht laufen würde. Die fehlende Beleuchtung auf dem Parkplatz und entlang der Wege hat ihn schon lange beschäftigt. „Mit der neuen Beleuchtungsanlage sparen wir nicht nur Strom, sondern tun auch was für die Umwelt“, sagt er.

Den entscheidenden Durchbruch brachte Europa

LEADER heißt das EU-Programm, das ländliche Regionen bei ihrer Entwicklung unterstützt. Die Moorbahn Burgsittensen hat die Hürde der Lokalen Aktionsgruppe Börde Oste-Wörpe erfolgreich genommen. Das Ergebnis: 65 Prozent der förderfähigen Kosten, rund 16.500 Euro, werden übernommen. Den Rest teilen sich Verein und Gemeinde zu je etwa 4.300 Euro.

Rene baggert. Mit Leidenschaft

Die Umsetzung begann bereits im Spätherbst. Sechzehn neue Masten werden auf dem Gelände der Moorbahn Burgsittensen gesetzt: elf Straßenlaternen entlang der Wege und des Parkplatzes, fünf weitere Leuchten rund um das Empfangs- und Cafégebäude. Rene Montag bedient den kleinen Bagger – präzise und mit sichtbarer Leidenschaft. Jens Witte ist an seiner Seite, Friedhelm Gahlau behält den Überblick.

Licht, das nicht stört

Bei der Wahl der Leuchtmittel hat die Moorbahn Burgsittensen bewusst auf insektenfreundliche Technik gesetzt. Warmweißes, gerichtetes Licht statt grellen Flutlichts – Leuchten, die nach unten strahlen und Insekten nicht anziehen. Denn das Moor ist kein gewöhnlicher Parkplatz.

Irgendwann in den nächsten Wochen wird Friedhelm Gahlau abends über das Gelände laufen und den Schalter umlegen. Die neuen Laternen der Moorbahn Burgsittensen werden angehen, einer nach dem anderen. Der Parkplatz wird sicher sein. Die Wege werden hell beleuchtet sein. Das Moor im Hintergrund bleibt dunkel – so wie es sein soll.

ZUM PROJEKT

Gesamtkosten: ca. 25.000 Euro; LEADER-Förderung (65 %): ca. 16.500 Euro; Eigenanteil Verein & Gemeinde: je ca. 4.300 Euro; Neue Masten: 16 (davon 11 Straßenlaternen); Leuchtmittel: LED, insektenfreundlich