Saisoneröffnung bei der Moorbahn Burgsittensen
Burgsittensen. Es ist immer noch kalt und es regnet dauernd. Das Moor trieft nur so vor Wasser und die Schienen sind noch rutschig. Trotzdem hat Fahrdienstleiter Herzig zum ersten Fahrertreff in diesem Jahr eingeladen. Im Haus der Natur kommen an diesem Nachmittag die Lokführer zusammen, das sind Hans‑Werner Düver, Jürgen Otten, Günther Klinthworth, Berthold Fedtke und natürlich Bernd Herzig. Am Sonntag, 1. März, beginnt die neue Saison und die Moorbahn fährt dann wieder regelmäßig Gäste ins Moor.
Fahrdienstleiter Herzig packt nach einer kurzen Begrüßung seiner Kollegen seine Unterlagen aus. Und dann geht es auch schon routiniert los. Die ersten Fahrtermine, die zu besetzen sind, werden aufgerufen, und alle Anwesenden fangen an, in ihre Kalender zu schauen. Trotz kurzer Zwischenbemerkungen, wie da bin ich zum Kaffee, werden die einzelnen Fahrten recht schnell an die Lokführer verteilt.
Die Lokführer im Einsatz und ihre Geschichten
Wenn die Moorbahn losfährt, sind es nicht nur die Schienen und die Landschaft, die die Gäste begeistern, sondern auch die Menschen auf der Lok. Bernd Herzig, 76 Jahre alt, ist seit 15 Jahren als Lokführer dabei und seit fünf Jahren Fahrdienstleiter; seine Stimme ist vielen Anrufern am Moorbahntelefon vertraut. Er legt Wert darauf, den Gästen die harte Arbeit früherer Moorarbeiter vor Augen zu führen und zugleich für das heutige Kleinod in Flora und Fauna zu sensibilisieren.
An seiner Seite sitzt oft Hans‑Werner Düver, 77 Jahre, der dienstälteste Lokführer der Moorbahn. Seit der Genehmigung zur Personenbeförderung im Frühsommer 2004 ist er regelmäßig unterwegs; bis 2021 leitete er selbst den Fahrdienst und kümmerte sich um die Abrechnung der Fahrten. Für Düver ist jede Fahrt eine Gelegenheit, den Gästen die Entstehung des Moores, den Torfabbau und die reiche Vogel‑ und Tierwelt zu erklären.
Auch Jürgen Otten, 73 Jahre, gehört zu den vertrauten Gesichtern: ein „alter Hase“, der seit über 20 Jahren regelmäßig mit Gästen ins Moor fährt und mit Ruhe und Erfahrung durch die Touren führt.
Die älteste Stimme im Team gehört Günther Klinthworth, 80 Jahre, der von Anfang an dabei ist. Beim Fahrertreff erzählt er lebhaft von einer Januar‑Tour, bei der er zusammen mit Herzig zwei Loks vor den kleinen Zug spannte und trotz eisiger Temperaturen 17 Gäste sicher ins Moor brachte; im Anschluss wärmten sich alle im Moorbahn‑Café mit einem Heißgetränk auf.
Neuere, aber ebenso engagierte Impulse bringt Berthold Fedtke, 73 Jahre, mit. Seit Frühjahr 2022 an Bord, fuhr er seine erste Gäste‑Tour am Muttertag. Besonders in Erinnerung blieb ihm eine Fahrt mit einer Gruppe aus Äthiopien, bei der mit Hilfe eines Dolmetschers die Schönheit und Einzigartigkeit des Tister Bauernmoores vermittelt werden konnte.
Das Tister Bauernmoor erleben
Das Tister Bauernmoor ist eine weitläufige Hochmoorlandschaft und Teil eines größeren Moorkomplexes; es bietet eine besondere Vielfalt an Moorpflanzen und ist wichtiger Lebensraum sowie Rastplatz für zahlreiche Vogelarten, darunter in Zugzeiten auch größere Schwärme wie Kraniche.
Ein gut ausgebauter Hauptweg von etwa zwei Kilometern führt durch die abwechslungsreiche Moorlandschaft mit Handtorfstichen, Wasserflächen und typischer Moorvegetation; entlang des Weges informieren Tafeln über Tiere und Pflanzen, und Bänke laden zum Verweilen ein. Besucherinnen und Besucher können das Moor besonders gut mit Fernglas oder Kamera erkunden.
Für besonders schöne Ausblicke stehen zwei Aussichtstürme bereit, von denen sich die offene Moorlandschaft und die Vogelwelt gut beobachten lassen. Diese Türme sind beliebte Beobachtungspunkte, an denen Hinweise zu den am häufigsten gesichteten Vogelarten angebracht sind.
Barrierefreiheit ist ein wichtiges Anliegen vor Ort: Der Moorbahnverein ermöglicht während der wärmeren Monate mit Hilfe der alten Feldbahn auch gehbehinderten Menschen den Besuch der Aussichtstürme, sodass das Moorerlebnis für viele Menschen zugänglich wird. Dafür gibt es extra einen Waggon, auf dem auch Rollstühle transportiert werden können.
Praktische Hinweise
Saisonstart: 1. März. Fahrzeiten: Sonnabends und sonntags, Abfahrt 13:00 Uhr am Haus der Natur; in den Osterferien täglich. Die Rundfahrten dauern in der Regel rund 90 Minuten; unterwegs geben die Lokführer Informationen zur Moorentstehung, zum Torfabbau und zur Vogel‑ und Tierwelt.