Im Oktober kommen die Kraniche zu Tausenden in das Tister Bauernmoor

Wunderschöne Heideblüte im Moor- Nur das Wasser fehlt – Die Moorexperten: „Wir brauchen den Regen sehr“

 

Tiste. Hartmut Vollmer war zeitlebens Lehrer, für Mathematik hauptsächlich, aber auch ein großer Fan der heimischen Geschichte und der wunderschönen Natur rund um die „Sittenser Börde“, wie sich dieser Landstrich aus urgeschichtlichen Zeiten her nennt. Heute ist er in den Zug eingestiegen, hat sein „Pauker“-Leben fast völlig verwandelt und hilft dem Tister Moorbahn-Verein, der sich vor nunmehr fast 20 Jahren aufmachte, die riesigen Moorflächen rund um den kleinen, kaum 100 Einwohner zählenden Verein für die Nachwelt zu erhalten. Das Tister Bauernmoor ist seitdem ein Ziel für viele Besucher aus nah und fern geworden, die mit einer kleinen Moorbahn fast viereinhalb Kilometer in die geschützten Flächen fahren. „Bald kommen die Kraniche wieder zu uns. Auf ihren Flügen von ihren Brutplätzen in Skandinavien und dem Baltikum legen sie im Oktober und November bei uns einen Zwischenstopp ein, um dann nach Südfrankreich und Spanien weiter zu fliegen. Dann sind manchmal bis zu 20 000 Kraniche im Tister Bauernmoor“, erzählt der Fast-Schon-Hobby-Biologe Vollmer, der unglaublich viele Menschen gemeinsam mit seinen Lokfahrerkollegen zu diesem Spektakel dann täglich in der Abenddämmerung zum Aussichtsturm mitten im Gelände fahren wird.

Vollmer scheint jeden Baum, jeden Strauch am Wanderweg zu den Wasserflächen, die weite Teile des Moores und der angrenzenden Flächen des Ekel-Moores bedecken, zu kennen. Und er weiß viel über diese so ganz andere Landschaft, in der bis 1999 noch Torf abgebaut wurde. „Der Landkreis hat angeordnet, dass viele Flächen wieder vernäßt werden. Er hat Flächen aufgekauft und unnötige Bäume entfernt, so dass sich das ursprüngliche Moor langsam wieder entwickeln kann.“ An manchen Stellen sieht man es. Ganz langsam, einen Millimeter pro Jahr, ganz leise kommt das typische Moor mit seinen Moosen, die auf der Oberfläche des so sauren Wassers schwimmen, wieder in Takt. Es arbeitet an vielen Ecken und Enden.

Aber auch: „Wir haben zu wenig Wasser in den letzten Jahren gehabt, das Moor ist in vielen Bereichen zu trocken. Das Moos, das eigentlich schwimmen müsste, liegt nur noch auf einer knappen Wassertiefe. Wir brauchen den Regen unbedingt“, sagt der Experte.

Das Tister Bauernmoor ist Treffpunkt vieler Vogelarten, weil es in großen Bereichen unberührt ist. Kein Weg führt durch die beiden zusammenhängenden Moore. Und so kommen selbst der Adler oder der Kormoran, aber auch viele andere Wasservögel in dieses Gelände.

Vom Hochstand an den weiten wasservernetzten Flächen kann man die Vögel gut beobachten. Selbst in diesem Holzüberstand ist Leben. Ein Schwalbenpärchen lässt sich beim Füttern nicht stören. Bis hierher ist die Moorbahn gefahren, bis hierher kann man auch einen wunderbaren Spazierweg laufen. Und später ins nette Café zurückkehren, um sich über diese einzigartige Landschaft auszutauschen.

„Wir bieten immer wieder neue Programme für unsere Gäste an,“ erzählt der pensionierte Lehrer, der im nur wenige Kilometer entfernten Vierden einmal die Dorfgeschichte aufgearbeitet hat. Die Bahn ist sein „Ding“ geworden, hierfür ist er ehrenamtlich viele Stunden unterwegs, „weil ich diese Landschaft so liebe, weil ich so gern die Vogelwelt im Tister Bauernmoor beobachte und auf die Kraniche schon heute warte.“ Es wird ein herrliches Bild am Abend im Moor werden.

Klaus Müller